TUWAT oder Eine Sammlung rechtskonformer Aktions-Ideen

Getreu dem Motto[1] des seit 1981 stattfindenden Chaos Communication Congress[2, 3] – der ein Gegenmodell des kollektiven Kopf in den Sand-Steckens ist – folgt hier eine lose Sammlung von Vorschlägen, wie ihr euer Anliegen prägnant in die Köpfe und Herzen der Menschen tragen könnt. Diese Liste wird immer unvollständig sein und darf gerne um Vorschläge ergänzt werden.
Fakten verschwinden nicht, nur weil man sie ignoriert.
(Sam Ewing)
Ein Gramm Handeln ist mehr wert, als eine Tonne Predigt.
(Mohandas Karamchand Gandhi)
Je mehr Bürgerinnen und Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen.
(Franca Magnani)
Nicht jeder ist für alle Aktionsformen geeignet. Aber jeder kann etwas tun, selbst wenn der Beitrag noch so klein ist. Und wenn es nur darum geht, präsent zu sein, um zu zeigen, dass man für oder gegen etwas ist. Dazu ist man übrigens weder zu alt noch zu jung, wie die Anfang 2019 aufpoppende Aufmerksamkeit um die damals noch 15-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg[4, 5, 6, 7] verdeutlichte.
Auch wenn die meisten der hier angesprochenen Aktionsformen aus der Tierrechtsszene[8] kommen, kann man diese häufig in abgewandelter Form auch für andere Themengebiete einsetzen. Ich weise bei einigen Aktionsformen auf mögliche Gefahren für Leib und Leben hin, sowie rechtliche Grenzen wie z.B. beim betreten privater Grundstücke. Alleine durchgeführte Aktionen könnten körperliche oder zumindest verbale Folgen haben (siehe hier und dort), wenn man missliebige Themen anspricht. Hier ist eine unsortierte Ideensammlung:
Eine lose Ideensammlung möglicher Aktionsformen
Bei allem was ihr macht, solltet ihr genau wissen, was ihr tut, euch der möglichen oder unausweichlichen Folgen bewußt und fachkompetent in dem sein, worüber ihr redet!
- 50ml Gülle in Trinkglas visualisieren die durchschnittliche Nitratmenge, die alljährlich als Kollateralschaden unserer fleischzentrierten Ernährungsweise über das Trinkwasser aufgenommen werden.
- Müll aus den Natur sammeln
- Müllskulpturen (z.B. auf Veranstaltungen zeigen), um auf die (jährliche) Plastikflut aufmerksam zu machen
- Fühlkino für Kinder (Obst, Gemüse, Stoff, Holz etc.) in Kiste mit Löchern weckt deren Sensibilität für natürliche Nahrung
- Sammlung gebrauchter Mobiltelefone zum Recycling[9, 10, 11] (siehe aber auch[12])
- (öffentliches) Plastikfasten[13, 14, 15, 16, 17], mit Bewerbung von Unverpackt-Läden[18, 19] (siehe auch[20]), Ausschreibung eines Preises
- Veranstaltung von Repaircafés[21, 22, 23, 24, 26], da reparieren oft besser/günstiger/ökologischer/nachhaltiger[26] ist als Produkte neu zu kaufen
- Fahrgemeinschaften, Produkte (z.B. Autos) teilen (SharEconomy), Autofasten[27]
- Ihr könnt kleine Kieselsteine sammeln, um sie (auf öffentlichem Gelände) nicht Anglern an den Kopf, sondern neben sie ins Wasser zu werfen, um die Fische zu vertreiben, damit diese nicht den qualvollen Tod an der Angel erleiden müssen. Jäger stören kann gefährlich werden, da diese bewaffnet sind und es auch zu ungewollten Unfällen kommen kann. Tiere lassen sich möglicherweise durch Rufen und Topf schlagen aus der Ferne vertreiben. Dabei unbedingt die Strategie der Jäger beachten, damit ihr nicht selber versehentlich vor die Flinte kommt!
- Cube of Truth[28], Silent Line, (vegane[29, 30, 31, 32]) Ampelaktion (siehe hier und dort) (für andere Themenbereiche denkbar)
- Völlig abstruse und überzogene Aktionen der Gegenseite, wie z.B.: Ein Vertreter der Bundesregierung sammelt Spenden für Waffen oder Überwachungstechnologie. Gute Inspirationsquellen sind die Aktionen des Zentrums für politische Schönheit[33, 34, 35, 36, 37] und der Hedonistischen Internationale[38, 39, 40, 41, 42] mit ihren provokanten, aber tiefsinnigen Aktionen der Kommunikationsguerilla[43]/Spaßguerilla.[44]
- Briefkastenaktion: Bei vielen Organisationen lässt sich Informationsmaterial in großer Stückzahl anfordern, welches ihr in (nicht als werbefrei gekennzeichnete) Briefkästen werfen könnt, um die öffentliche Meinung zu bestimmten Themen nach vorne zu bringen.
- Watchblogs schreiben
- Texte übersetzen
- im Hintergrund arbeiten (Organisation, Logistik)
- Apps, Listen, Open Data[45, 46, 47]-Portale[48, 49] etc. programmieren, die informieren über Lebensmittelzusatzstoffe[50, 51, 52, 53], Zucker, Gesundheit etc. oder auch soziale/ökologische Auswirkungen von Konsumprodukten, Publikation von Umwelt-, Verkehrs-, Wirtschafts-, politischen und Sozialdaten
- Spiele und Simulationen[54], wie z.B. iAnimal[55] oder Kriegsspiele anders herum aus der Sicht der Opfer, Fluchtsimulation[56, 57, 58], Auswirkungen von Umweltzerstörung[59, 60, 61, 62] etc.
- Literatur und Erfahrungsberichte (z.B. angehende Tierärzte im Schlachthof)
- Aktions-/Straßentheater und echtes Theater (wie z.B. Terror)
- Musikalische Darbietungen, Lieder mit eingängigen Texten schreiben und aufführen
- themenbezogener Poetry-Slam[63] (Öko-Slam)
- öffentliche (Podiums)Diskussionen und Workshops
- Politiker kontaktieren, aufklären oder zu Diskussionsveranstaltungen einladen
- Aufklärungsarbeit, z.B. in Schulen, öffentliche Bücherlesungen und Vorträge
- Filme und Dokumentationen öffentlich vorführen (Public viewing), ideal mit anschließender Diskussion
- Dokumentationen und Podcasts erstellen, Filme und Comics, öffentliche Graffiti-Aktionen
- Schreibt Geschichten für Kleine und Große Zuhörer und Leser, die festgefahrene Klischees hinterfragen und richtig stellen, wie z.B. Das Märchen vom guten Wolf, Der barmherzige Muslim etc. Nicht Bären, Wölfe, Muslime oder der Islam sind das Problem, sondern stets Menschen mit ihren falschen Auslegungen oder Interpretattionen.
- Charitative Konzerte, Ausstellungen, Auktionen und Sportveranstaltungen mit freiwilligem Startgeld (hier und dort). Sportveranstaltungen sind positiv besetzt und zeigen z.B. dass Vegetarier und Veganer keine Schlappschwänze sind. Gruppensportarten haben zudem soziale Aspekte, die ein konstruktives Wir-Gefühl fördern können.
- Themenbezogene Fahrradtouren sind gut geignet, um über einen längeren Zeitraum weiträumig Menschen erreichen zu können.
- Promis sind als Meinungslenker stets sehr wertvoll. Das können sowohl Musiker als auch Themenfachleute sein.
- Nazis das Bier weg kaufen.[64, 65] Denn vor allem besoffene Nazis bereiten Probleme.
- Falls ihr in der Verwaltung arbeitet: Straßennamen umbenennen.[66, 67] Denn es gibt Adressen, die sind für Faschos einfach unerträglich! :-)
Königsklasse Effektiver Altruismus: Das gemeinwohle Leistungsdogma oder Wie rette ich effektiv die Welt?
In den letzten Jahren hat sich in der Welt des Aktivismus ähnlich wie im Sinne der neoliberalen[68, 69] Effizienzsteigerung der neue Wissenschaftszweig des Effektiven Altruismus[70] entwickelt (sogar mit entsprechender Stiftung für Effektiven Altruismus[71, 72, 73, 74]). Hier geht es neben intellektuellen Optimierungen auch darum, mit einem stets begrenzten zeitlichen und finanziellen Budget maximal effektiv Gutes zu tun. Wer das eigene Leben analysiert, stellt (natürlich je nach individueller Einkommensklasse) mit ziemlicher Sicherheit fest, dass er/sie problemlos regelmäßig z.B. 10% des persönlichen Einkommens für (gemein)wohltätige[75, 76] Zwecke spenden und damit viel erreichen kann, ohne dass darunter die eigene Lebensqualität ernsthaft leidet. Zudem kann die daraus resultierende Befriedigung eine große Steigerung des Wohlbefindens darstellen – ein Umstand, den die meisten Konsumartikel wohl längerfristig kaum vermögen und einen eher in eine destruktive und keinesfalls gemeinwohlorientierte Konsumschleife hinein ziehen! Hinzu kommt, dass viele Hilfsorganisationen sehr erfreut sind, wenn zwar geringere, dafür aber regelmäßige Spendengelder herein kommen, da diese so halbwegs zuverlässige Planungssicherheit haben.
Darüber hinaus gibt es aber auch einen zunächst befremdlich erscheinenden Ratschlag: So kann man demnach beispielsweise Investmentbanker, Aktionär, Spekulant, Spitzenmanager o.ä. werden, um die Gewinne daraus für die gute Sache zu spenden. Die Krux an der Sache dürfte aber (neben der systembedingten in homöopathischen Dosen verabreichten, mentalen Vergiftung einer solchen beruflichen Laufbahn, die einen Stück für Stück ins neoliberale System hinein zieht) wohl sein, dass derlei Gewinne aus eben genau jenen solcherlei Armut produzierenden, ablehnenswerten Geschäftspraktiken stammen. (Das wohl schillernste Beispiel eines solchen Neoliberalen Mäzenatentums ist der weltweit geachtete Gründer eines fragwürdigen Softwareunternehmens[77, 78, 79], das seit Jahrzehnten große Teile der digitalen Welt in Unfreiheit und Unsicherheit[80] hält, und heute als Wohltöter Wohltäter mitsamt gemeinwohler Stiftung[81] mit der Pharma- und Gentechnikmafia kooperiert und sich für diese auf maximal zukunftsgerichtete klassisch-neoliberale Vereinnahmung der durch solche Unternehmen maximal ausgebeuteten Welt auch noch als Krankheits- und Hungerverhinderer feiern lässt, statt den betroffenen Menschen konstruktive Hilfe zur Selbsthilfe[82] anzubieten. Diese Übertragung von der erst durch dieses Unternehmen so populär gewordenen Taktik der digitalen Versklavung auf den Gesundheits- und Ernährungsbereich ruft natürlich zivilgesellschaftlichen Protest[83, 84, 85] und sogar vereinzelt wirtschaftliche und internationale Verwerfungen[86] hervor! Dennoch passt dies sehr wohl zum Duktus einer Repräsentativen Demokratie[87]/Demokratur, die zumindest hierzulande dem vertretenen Volk[88] recht erfolgreich suggeriert, dass es für die Direkte Demokratie[89, 90, 91] zu doof sei und daher solches Gebahren entsprechend goutiert.) Eine nicht gerade selten vernommene Erklärung für solche eher problembehafteten Berufsempfehlungen ist die, dass es sonst jemand anderes macht und sich die so erwirtschafteten Gewinne in die eigene Tasche steckt, statt sie gemeinwohl zu investieren. So wies Michael Zobel[92, 93] als seit Jahren arbeitender Energiewende[94, 95, 96, 97, 98, 99, 100]-Aktivist darauf hin, dass er seine ererbten RWE[101]-Aktien lediglich als Eintrittskarte nutze, um bei den so für ihn zugänglichen Aktionärsversammlungen den anwesenden Aktionären als intellektuelle Beikost einfach mal aus der Umwelt-Enzyklika[102, 103, 104] des derzeitigen Papst Franziskus[105, 106] vorzulesen.
Fazit: Die Frage nach der effektivsten Weise, die Welt zu retten, stellt sich somit bei näherer Betrachtung in etwa als so kompliziert heraus, wie jene nach der richtigen Ernährung. :-) Dennoch lassen sich viele Aspekte aus dem EA heraus destillieren. Denn jeder ernsthafte Aktivist weiß genau, dass es essentiell wichtig ist, die eigenen Ressourcen zu schonen und ganz im Sinne der guten Sache maximal effektiv einzusetzen!